Swan Seitenwagen GmbH

Swan / Schwan / Ajax / Swan-Ajax

Hersteller: Lorenz Stöcker, Dipl.-Landwirt Adresse: Blütenstraße 21, München (1921–1925) Grünwalder Straße 70, München (1926–1929) Landsberger Straße 207–209, München (ab 1930) Zeitraum: 1921 bis 1939, Nachfolgeproduktion bis in die 1950er Jahre Schutzrechte: Engl. Pat., D.R.G.M. Wagennummer: mindestens 1278 (belegt durch erhaltenes Typenschild)

[image]

Geschichte

Swan Seitenwagen G.m.b.H. war ein Münchner Beiwagenhersteller, der in zwei Phasen unter dem Markennamen Swan produzierte. Belegt ist die erste Phase unter der Bezeichnung Swan für die Jahre ca. 1921 bis 1925. Eine zweite Phase unter dem Namen Swan-Ajax ist für 1930 bis 1939 dokumentiert, als Inhaber wird Lorenz Stöcker, München, in zeitgenössischen Quellen genannt.

Das Unternehmen bezeichnete sich auf seinen Typenschildern als alleiniger Hersteller für den Kontinent. Diese Formulierung verweist auf eine Lizenzproduktion hin: Die Konstruktion lag einem englischen Patent zugrunde, Swan Seitenwagen G.m.b.H. hielt die exklusiven Fertigungsrechte für den europäischen Kontinent. Ergänzend war die Konstruktion in Deutschland als Gebrauchsmuster eingetragen (D.R.G.M.).

[image]

Geschichte

Gegründet wurde der Betrieb von Lorenz Stöcker, einem Diplom-Landwirt, der sich ab 1921 dem Seitenwagenbau in München widmete. Die Produktion erfolgte zunächst in der Blütenstraße 21. Der Vertrieb der Seitenwagen lief nicht direkt, sondern über den Generalvertrieb Georg Eisenhoffer & Co., Schellingstraße 3, München, unter dem Markennamen Swan, im deutschen Sprachraum auch Schwan.

Ab 1925 entstand eine Interessengemeinschaft mit der Firma Anton Hutter. Die Seitenwagen wurden nun auch unter dem Namen Schwan vertrieben. Ebenfalls entstanden in dieser Phase Renn-Seitenwagen, bei denen der Fahrer über ein Handhebelpaar das Seitenwagenrad in der Höhe verändern konnte, um je nach Kurvenauslegung das Boot anzuheben oder abzusenken. Neben Komplettseitenwagen lieferte das Unternehmen auch Halbzeugfabrikate an andere Seitenwagenhersteller.

Im März 1929 ging die Firma in den Besitz von Dipl.-Ing. Gugenheim über. Im Jahr 1930 erfolgte eine Betriebsverlegung und Verschmelzung mit der Firma Anton Hutter in die Landsberger Straße 207, wo sich auch der Münchener Hersteller Royal befand.

 

Namensänderung zu Ajax / Swan-Ajax

Ab 1926 firmierte Stöcker unter Swan Seitenwagenbau, Grünwalder Straße 70. Nach der Verschmelzung 1930 wurden die Seitenwagen unter den Namen Ajax bzw. Swan-Ajax und Schwan-Ajax vertrieben. Der Name Ajax bezieht sich auf den österreichischen Lizenzpartner Felber aus Wien. Die ab 1930 gefertigten Seitenwagen entsprachen konstruktiv den Felber-Seitenwagen. Ab 1935 glich sich die Produktlinie der klassischen Seitenwagenform an, wie sie auch Royal, Steib und Stoye produzierten. Die Fertigung lief bis in die 1950er Jahre.

 

Konstruktion (Phase 1921–1925)

Die Karossen wurden in Torpedoform ausgeführt und bestanden aus einem Holzgerippe, das wahlweise mit Sperrholz, wasserdichtem Segeltuch oder Kunstleder überzogen wurde. Die Boote waren in Zugfedern aufgehängt. Die Rohrrahmen-Fahrgestelle besaßen Drei- bzw. Vierpunktanschlüsse.

 

Schutzrechte und englische Patentherkunft

Erhaltene Typenschilder tragen den Hinweis ENGL. PAT. (englisches Patent) sowie D.R.G.M. (Deutsches Reichs-Gebrauchsmuster) und bezeichnen Swan Seitenwagen G.m.b.H., München als alleinigen Hersteller für den Kontinent. Damit ist eine Lizenzproduktion auf Grundlage eines britischen Patents belegt. Der genaue englische Patentinhaber und der Inhalt des Patents sind bisher nicht ermittelt.

In der gleichen Epoche war in England die Swan Motor Manufacturing, Frodsham, Cheshire, als Motorradhersteller tätig (ca. 1910–1913, Gründer F. H. Thornton). Eine direkte Verbindung zwischen dem englischen Motorradhersteller und dem Münchener Beiwagenproduzenten ist nicht belegt.

 

Abgrenzung

Der Markenname Swan ist in dieser Epoche nicht exklusiv: Swan Motor Manufacturing in Frodsham/Cheshire baute Motorräder (1910–1913), New Avon Swan in Warwick war Karosseriebauer (ab 1928). Beide stehen in keiner Beziehung zum Münchener Unternehmen. Der Ajax-Name bezieht sich, anders als der Firmenname vermuten lässt, nicht auf den französischen Seitenwagenhersteller Ajax in Neuilly-sur-Seine, sondern eher auf den österreichischen Hersteller Felber, Wien.

 

Abbildungen vom Oldtimer-Treffen in Braunsbach, etwa 2016

[image]

[image]

 

Siehe auch: Felber, Royal, Steib, Stoye, Beiwagen

Letzte Bearbeitung: 10. Juni 2026

❤ Das Gespann-Lexikon unterstützen

Dieses Lexikon ist ein idealistisches und nicht-kommerzielles Projekt. Server und Hosting kosten jedoch Geld. Du kannst ein Förderer werden und dies unterstützen. Schon eine kleine Spende, ab 5 Euro, hilft das Lexikon weiter auszubauen.

→ GoFundMe | → PayPal

Als Dankeschön: Sendest du deinen Zahlungsbeleg an gespann-lexikon@t-online.de, erhältst du ein Jahr lang jeden Monat eine Übersicht der neuen Einträge - auch ein Spendenaufkleber ist in Planung!