Die Beiwagen-Schnellanschlusskonstruktion von Stoye war ein großer Wurf. Der Grund: Bis in die 1960er Jahre hinein wurden Beiwagen regelmäßig und oft vom Motorrad getrennt, um auch solo fahren zu können.
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Kugelschnellanschluss
Der Kugelschnellanschluss ist eine Beiwagen-Anschlusskonstruktion, die von Walter Stoye, Leipzig, entwickelt und am 28. Juli 1929 als Deutsches Reichspatent Nr. 511173 eingetragen wurde. In der Fachliteratur findet sich auch die Bezeichnung „Kugel-Maul-System".
Das Prinzip erlaubt es, den Beiwagen schnell und werkzeugarm vom Motorrad zu lösen, so dass dieses als Solofahrzeug weiterbewegt werden kann. Die Konstruktion vereint die Funktion eines gelenkigen Anschlusspunktes mit der Möglichkeit der raschen Demontage.
1932 stellte Stoye das Patent erstmals in einem Prospekt der Öffentlichkeit vor. Noch im gleichen Jahr wurde der Kugelschnellanschluss zur DIN-Norm erhoben und fand daraufhin Eingang in die Produktionsprogramme der meisten deutschen Kraftrad- und Seitenwagenhersteller.
Die internationale Verbreitung des Prinzips reichte über Deutschland hinaus: In der Tschechoslowakei und Ungarn verwendeten Jawa (Modelle 250 und 350, Baujahr 1956–1962) sowie die Pannonia-Motorräder (Csepel Motorkerékpárgyár, Insel Csepel bei Budapest) sowie auch Duna-Seitenwagen (Magyar Hajó és Darugyár, Ungarische Schiffs- und Kranfabrik in Vác).
Auch heute noch verwenden Hersteller von Gespannen gelegentlich den Kugelschnellverschluss für die unteren Anschlüsse. Wie vor 100 Jahren erlaubt er auch heute noch ein schnelles Trennen und Verbinden von Motorrad und Beiwagen - praktisch bei Motorrädern mit wahlweisem Eintrag.
Nicht zu verwechseln ist der Stoye-Kugelschnellanschluss mit der 1934 von Franz Knöbel patentierten Kugelkopfkupplung für PKW-Anhänger, die durch den Hersteller Westfalia weltweite Verbreitung fand und noch heute als Norm-Anhängerkupplung gilt. Beide Konstruktionen greifen auf das Kugel-Pfannen-Prinzip zurück, wurden jedoch unabhängig voneinander für unterschiedliche Einsatzbereiche entwickelt.
Abgrenzung zur PKW-Anhängerkupplung
Lösbare Kugel-Schnellverschlüsse wurden bereits Anfang der 1930er Jahre bei Motorradgespannen angeboten. Franz Knöbel erhielt am 14. März 1934 ein Patent auf die Kugelkopfkupplung für Anhänger; der Hersteller Westfalia erlangte damit weltweit Bekanntheit. Der damalige Durchmesser der Kugel von 50 mm ist bis heute die Norm. Der Stoye-Kugelschnellanschluss für Beiwagen und die Westfalia-Kugelkopfkupplung für PKW-Anhänger sind also verwandte, aber unabhängig voneinander entwickelte Konstruktionen.