Hersteller: Karosserie- und Fahrzeugbau Wünsche. Standort: Pirna-Copitz, Sachsen (DDR); heute: Schönteichen bei Kamenz, Sachsen. Produktionszeitraum: 1952–1966 (Erstproduktion); Wiederaufnahme durch Rechtsnachfolger Robert Waldmann.
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Geschichte
Ab 1943 betrieb Walter Wünsche in Pirna eine Firma für Schlosserei- und Maschinenbau. Ende der 1940er Jahre wurde daraus die Firma Wünsche & Stäps, die sich fortan auch im Fahrzeugbau betätigte. Walter Wünsche war der Vater des DKW-Werksfahrers Siegfried Wünsche.
Nach dem Krieg wurden bei Wünsche Lastkraftwagen und Anhänger umgebaut. Etwa 1952/53 wurde der Plan umgesetzt, Beiwagen zu bauen. Ab 1952 fertigte Wünsche Seitenwagen, deren Formgebung sich an den damals modernen Bootsformen des Leipziger Herstellers Stoye orientierte.
1957/58 vollzog Wünsche einen Designwechsel: Die Produktion wurde auf eine eigenständige Karosserie mit charakteristischer Bugpartie (sog. "Nase") - die heute bekannte Wünsche-Bauweise - umgestellt. Diese Form bot gegenüber dem vergleichbaren Stoye-Modell mehr Platz im Innenraum.
1962 wurde die Firma von Wünsche an Herrn Stöps übergeben. Der Name Wünsche verschwand aus der Firmenbezeichnung. Bis etwa 1966 wurde die Beiwagenproduktion aufrechterhalten. Später betrieb man nur noch Karosseriebau, Sonderanfertigung oder Instandsetzung.
Produktion
In der Hochphase wurden etwa 100 bis 120 Stück pro Jahr hergestellt, gefertigt in Serien von 25 bis 30 Stück pro Quartal. Die Fertigung dieser Karosserie lief bis 1966.
Die Beiwagen waren für den Anschluss an verbreitete Motorräder der sozialistischen Länder ausgelegt, insbesondere Jawa, MZ, Simson/AWO und Pannonia. Da MZ und Simson werksseitig mit den Elastik-Beiwagen (später Super-Elastik) ausgerüstet wurden, bot man die Wünsche-Beiwagen primär für Jawa an. Natürlich ließen sie sich auch an BK, MZ, AWO oder Pannonia anschließen.
Konstruktion
Die Karosserien basieren traditionell auf einer Bodenplatte mit Hartholzrahmen (Zulieferung durch eine Stellmacherei), über die Aluminiumblech gezogen wird.
Inhaber der Markenrechte am Namen Wünsche ist heute Robert Waldmann, Karosserie- und Fahrzeugbau-Meister in Schönteichen bei Kamenz. Waldmann fertigt die historischen Beiwagen-Karosserien in Originalausführung nach.
Konstruktion: Bodenplatte mit Hartholzrahmen, Aluminiumblech
Varianten: Standardausführung, Variante mit Heckflossen
Sattlerarbeiten: Kooperation mit regionalem Fachbetrieb (Sitze, Spritzdecken im Originalstil)
Vertrieb und Anschluss-Zugmaschinen
Waldmann baut in Zusammenarbeit mit Saxonia auch Komplettgespanne und beliefert andere Gespannhersteller. Neben den klassischen Zugmaschinen (Jawa, MZ, Simson/AWO, Pannonia) sind die Wünsche-Beiwagen auch für Harley-Davidson (schmalere Modelle) sowie Kawasaki-Retro-Modelle geeignet.
Restaurierung und Ersatzteile
Waldmann übernimmt die Restaurierung historischer Wünsche-Beiwagen. Das Boot aus Aluminium ist meist noch in gutem Zustand, während der Holzboden oft komplett neu angefertigt werden muss.
Einordnung
Wünsche steht exemplarisch für die dichte sächsische Beiwagen-Tradition, zu der auch Hersteller wie Stoye (Leipzig) und MZ (Zschopau) gehören. In der Werkstatt Waldmanns werden gelegentlich auch Beiwagen anderer sächsischer Fabrikate restauriert, darunter seltene Exemplare der Dresdner Manufaktur Hans Schütze (Haschütt), die von 1920 bis in die 1950er Jahre Seitenwagen produzierte.
Nachfolge-Firma
(Stand MG Nr. 30, 1995)
Aus der Firma Wünsche Fahrzeugbau ist mittlerweile ein Peugeot-Händler geworden. Der Betrieb wird vom Sohn des früheren Inhabers geleitet.
Verfügbarkeit historischer Beiwagen
Heute sind Wünsche-Beiwagen Raritäten. Nach der Grenzöffnung wurden sie auf Teilemärkten angeboten. Beim Thema Beiwagen aus der DDR fällt einem sofort "Stoye" oder "MZ-Superelastik" ein, doch es gab kleinere Hersteller wie Wünsche in Pirna.
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Die Wünsche Holzkonstruktion, Nachgebaut von Waldmann.
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Siehe auch: Stoye, MZ-Superelastik, Saxonia, Hans Schütze (Haschütt), DDR-Beiwagen
Beiträge in MG 30, 143, 162