Impressiver Beiwagen vom Engländer Clifford Day.
Martello
Martello Plastics Ltd. war ein britischer Kleinserienhersteller von Glasfaser-Beiwagen mit Sitz in Folkestone, Kent, England. Zwischen 1981 und 1995 entstanden insgesamt 24 Exemplare des Modells „Kent Martello" – einer der gestalterisch markantesten Beiwagen der britischen Nachkriegszeit.
Abb. Martello-Gespann auf dem Euro-Gespann-Treffen 2017.
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Namensgebung
Der Name Martello bezieht sich auf die sogenannten Martello Towers, eine Kette von Küstenverteidigungstürmen an der Südküste Englands, die während der Napoleonischen Kriege zu Beginn des 19. Jahrhunderts errichtet wurden, um einer französischen Invasion entgegenzuwirken.
Vorgeschichte und Entwicklung
Die Ursprünge des Martello-Beiwagens reichen bis in das Jahr 1963 zurück, als der britische Enthusiast Clifford Day erste Überlegungen zu einem eigenen Beiwagenentwurf anstellte. Das zunächst intern „Moby Dick" genannte Projekt orientierte sich gestalterisch an zwei zeitgenössischen Fahrzeugen: dem 1964 vorgestellten Marcos GT, einem GfK-Kit-Car, und dem Wessex Sidecar, einer selbsttragenden Beiwagenkonstruktion ohne Metallfahrgestell. Bis zum ersten zufriedenstellenden Abzug aus der Form wurden ein Dutzend Detailformen entworfen. Zwei Prototypen entstanden 1981.
Unternehmen und Belegschaft
Eigentümer der 1971 gegründeten Martello Plastics Ltd. war Les Bray. Er verpflichtete Len Turner als GfK-Konstrukteur, der zuvor beim Reisemobilhersteller Dormobile tätig gewesen war. Malcolm Reynolds und Dave sowie Brian Clark wirkten an der Weiterentwicklung des Originaldesigns mit. Turner übernahm die Ausführung des Modells mit Kindersitz, Malcolm Reynolds betreute den Saloon. Die ersten Prospekte erschienen 1982 und 1983, zunächst in Schwarzweiß, später auch in Farbe.
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Produktion
Die ersten beiden Produktionsexemplare gingen 1982 an Stan Ching und Dave Clark. Nach 1984 nahm die Fertigung Fahrt auf; bis 1988 entstanden 21 weitere Fahrzeuge. Versuche um 1988, eine breitere Variante aufzulegen, erwiesen sich als Sackgasse; die entsprechende Breitform landete schließlich im Gartenhaus von Len Turner. Als Martello Plastics 1995 aus Platzgründen in andere Räumlichkeiten umziehen musste, wurde für Dave Johnson ein letzter Abzug gefertigt und die Produktion endgültig eingestellt. Bei dieser Gelegenheit wurden sämtliche Formen zersägt und entsorgt, womit eine Wiederaufnahme der Fertigung ausgeschlossen wurde.
Da alle jemals gebauten Martello-Beiwagen ohne Seriennummer das Werk verließen, ist die Zuordnung einzelner Fahrzeuge ausschließlich über den Namen des jeweiligen Besitzers möglich.
Gesamtproduktion: 24 Exemplare (1981–1995). Zum Vergleich: Watsonian baute in einem durchschnittlichen Jahr in dieser Ära rund 250 Beiwagen.
Modelle
Saloon: Vollständig geschlossener Beiwagen für einen Erwachsenenpassagier.
Kent „Adult and Child": Variante mit Kindersitz im Heckbereich. Beim Austel Pullman „Q233 AAN" (Baujahr 1991) ist diese Ausführung mit dem optionalen abnehmbaren Schiebedach verbaut; der Kinderbereich beherbergt dort den Langstreckenkraftstofftank und dient als zusätzlicher Gepäckraum.
Verbindung zum Rheinland
Der West Hythe Ashman Motorcycle Club (WHAC) mit Präsident Len Turner suchte seit 1980 nach einem geeigneten Beiwagenmodell für Kanalüberquerungs-Reisen zum befreundeten Partnerclub „Äschmänn-Motorradklub" in Bergheim bei Köln – dessen Name aus einer Verballhornung des englischen Schuhfabrikanten Ashman Boots entstand. Nach einer Besprechung mit Turner auf der London Sidecar Rally wurde der Martello als geeignet befunden. Im September 1981 unternahmen die ersten Martellos die rund 300 Kilometer lange Reise ins Rheinland.
Dokumentation
Steven Lancaster, Mitglied des WHAC und Besitzer eines blauen Gold-Wing-Gespanns mit Martello-Beiwagen – dem einstigen Prospektfahrzeug –, hat die Geschichte der Martello-Beiwagen in einer knapp 100-seitigen Abhandlung dokumentiert, in der nahezu jedes je gebaute Exemplar erfasst ist. Zwei Fahrzeuge fehlen im Bestand: je ein Rechtsläufer-Exportexemplar für Frankreich und die Niederlande.
Siehe auch
Watsonian · Wessex Sidecar · Marcos · Dormobile · Austel ·
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Beitrag in MG 162, 163