Austel Engineering war ein britischer Kleinserienhersteller von Motorrädern und Motorrad-Gespannen mit Sitz in Maidenhead, Berkshire, England. Das Unternehmen bestand von 1985 bis 1991 und ist eng mit der Person seines Gründers, des Ingenieurs und Konstrukteurs Chris Castell, verbunden.
Abb. Markus Wacker
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Namensgebung
Der Firmen- und Markenname „Austel" ist ein Kunstwort: Er setzt sich zusammen aus den Anfangsbuchstaben von „Austin" – dem Hersteller des verwendeten Mini-Motors – und den Endbuchstaben des Familiennamens Castell, wobei das zweite „l" wegfiel.
Geschichte
Die Entwicklungsgeschichte beginnt bereits 1981, als Chris Castell den ersten Prototyp für den eigenen Gebrauch baute. Er verwendete einen BMC A-Serien-Vierzylindermotor aus dem Austin Mini, der als tragendes Rahmenteil (Stressed Member) in einen Rohrstahlrahmen integriert wurde. Dieser erste Prototyp (Austel 1000 Mk1) hatte einen 1000-ccm-Motor mit fußbetätigtem Automatikgetriebe, seitlich montierten Kühler und Kettenantrieb.
1985 entstand das Mk2-Modell für den Unternehmer John Kemp, der den Mk1 vor Castells Wohnhaus gesehen hatte. Mit diesem zweiten Fahrzeug begann die eigentliche Kleinserienfertigung unter dem Namen „Lotec" – eine Anspielung auf das bewusst schlichte „Low-Tech"-Konzept, das billigen Zugang zu Ersatzteilen aus dem Austin-Mini-Teilekatalog ermöglichen sollte.
Modelle
Lotec. Das Grundmodell der Austel-Baureihe. Ausgestattet mit 1000-ccm-Motor, fußbetätigtem Automatikgetriebe (mit Rückwärtsgang), Kettenantrieb, Yamaha-Leichtmetallfelgen und eigens konstruierten Anti-Taucher-Längslenker-Federgabeln (Austel Leading-Link Forks). Das eckige Karosseriedesign entsprach dem Zeitgeist der 1980er Jahre.
Pullman. Der erste Pullman-Prototyp erschien 1987 und war konsequent als Gespann-Kombination ausgelegt. Der Antriebsstrang basierte zunächst auf einem 850-ccm-Motor mit Wellenantrieb und solenoidgesteuerter Knopf-Schaltung am Lenker. Die Serienausführung wurde auf 1300-ccm-Motoren umgestellt und erhielt einen Doppelschleifenrahmen mit Kastenprofil-Schwinge, zwei vordere Scheibenbremsen, eine hintere Scheibenbremse sowie einen frontseitig montierten Kühler. Mit angebautem Beiwagen war ein manuelles Getriebe mit Handschalthebel möglich, wobei die Schaltgasse aufgrund der Längseinbaulage des Motors um 90 Grad gedreht war.
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Technik
Motor: BMC A-Serien-Reihenvierzylinder (OHV), wassergekühltes Gusseisenblock, je nach Baujahr 1000 ccm oder 1300 ccm Hubraum. Einzelne Fahrzeuge wurden abweichend ausgerüstet, darunter mindestens eines mit einem Nissan-Motor. Der bekannte Austel Pullman „Q233 AAN" (Baujahr 1991) verfügt über einen Austin-Metro-Motor mit AE-Slipper-Kolben, Kent-256-Nockenwelle und 44-mm-SU-Vergaser sowie eine Reliant-Robin-Hinterachse.
Beiwagen: Die Wahl des Beiwagens war dem Kunden überlassen. Bekannt ist die Verwendung eines Kent-„Adult and Child"-Beiwagens von Martello Plastics Ltd., Folkestone, Kent. Da keine zwei Austels identisch ausgeführt wurden, existiert keine standardisierte Beiwagenkonfiguration.
Kraftstofftank: Bei Gespann-Ausführungen befand sich ein 25-Liter-Tank im Beiwagen-Kofferraum; der Attrappen-Tank am Motorrad war für Wartungszwecke leicht abnehmbar.
Produktion und Ende
Abzüglich der Prototypen wurden schätzungsweise elf Serienfahrzeuge gebaut. Zehn entstanden vor dem Tod von Chris Castell; ein weiteres wurde danach aus vorhandenen Teilen fertiggestellt. Da Kundenwünsche und konstruktive Weiterentwicklungen in jedes Fahrzeug einflossen, ist kein Austel dem anderen gleich.
Verbleib
Ein Austel Lotec befindet sich in der Sammlung des London Motorcycle Museum. Der Austel Pullman „Q233 AAN" wurde 2015 bei Bonhams versteigert und ist eines der dokumentierten Fahrzeuge.