Fahrgestelle für Beiwagen
Fahrgestelle, auch Rahmen, Chassis oder Untergestell genannt, tragen den Beiwagen und alle Anbauteile. Sie werden aus Stahlrohren hergestellt. Heute kommen sowohl Rundrohre als auch Rechteckrohre zum Einsatz. Profilrahmen und selbsttragende Konstruktionen sind selten. Selbsttragende Konstruktionen werden im Rennsport verwendet und bei Stahlblechkonstruktionen.
Entwicklung
Die Entwicklung der Sidecar Frames begann mit einfachen ungefederten Leiterrahmen. Auf ihnen war der Bootskörper befestigt. Schon bald versuchte man, den Bootskörper abzufedern. Dadurch sollten die Stöße auf den oft noch unbefestigten Wegen und Straßen für den Mitfahrer erträglicher werden.
Die Federung erfolgte wie bei Kutschen mit Federstahlpaketen. Diese waren häufig halbkreisförmig oder im Dreiviertelkreis gebogen. Ab den 1920er Jahren entstanden erste Versuche mit Gummibandlösungen, auch kombiniert mit Federn. Bis zur Entwicklung brauchbarer Stoßdämpfer wurden Chassis und Karosserie als getrennte Bauteile betrachtet.
Rahmenbau
Bis in die 1930er Jahre wurden Rundrohre meist mit Einschweißmuffen verbunden und hartgelötet. Seit den 1960er Jahren werden die Rohre für das Fahrgestell in der Regel verschweißt.
Man unterscheidet zwei grundlegende Bauformen.
Stoßstangenrahmen
Der Stoßstangenrahmen war bis etwa 1950 eine häufig anzutreffende Bauweise. Der Beiwagen sitzt dabei nicht allein auf einem Unterflurrahmen (z.B. Squire ST2). Der Rahmen verläuft ganz oder teilweise um das Boot und auch über das Boot (z.B. Felber). Diese Bauweise war durch die damaligen Federungssysteme mit Gummielementen sowie Blattfedern (z.B. Goulding) und Spiralfedern bedingt.
Unterflurrahmen
Mit der Einführung hydraulischer Stoßdämpfer setzte sich der Unterflurrahmen durch. Dabei wird nicht mehr nur die Karosserie gedämpft. Das komplette Fahrgestell wird gefedert und gedämpft. Der Beiwagen wird auf das Fahrgestell geschraubt. Bei modernen Beiwagenformen ist das Fahrgestell in die Form des Beiwagens durch entsprechende Aussparungen integriert, das Boot wirkt nicht wie nur ausgesetzt. Dies harmonisiert die Optik und reduziert den Luftwiderstand deutlich.
Moderne Fahrgestelle
Bei den Beiwagen der letzten 50 Jahre besteht das Fahrgestell meist aus einem Verbund aus Rechteckrohren. Teilweise wird dieser durch Knotenbleche verstärkt. Diese Bauweise ist ausreichend stabil. Sie lässt sich einfach herstellen. Außerdem eignet sie sich für unterschiedliche Anschlusssysteme und verschiedene Beiwagenradführungen, Schwingen die meist mit einem Stoßdämpfer ausgestattet sind. Fahrgestelle aus Dreieck-Rohrverbünden werden seltener verwendet.
Korrosionsschutz
Zum Schutz vor Korrosion werden die Rohre lackiert oder kunststoffbeschichtet. Beide Verfahren sind bei vorheriger Grundierung gut geeignet.
Aluminiumfahrgestelle
Fahrgestelle aus Aluminiumlegierungen haben sich nicht durchgesetzt. Die Verarbeitung ist für kleine Werkstätten zu aufwändig. Wirtschaftlich wäre diese Bauweise höchstens bei einem Einheitschassis.
Ungewöhnliche Lösung von Franz Grobmeier (MG 160).
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Beim Watsonian Two Seater Luxus Coupé von 1935 war das Spring Wheel Y-Cassis in die Bootsform integriert.
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Space-Frame-Technik (Auszug aus einem Beitrag in MG 16, 1992)
Bei der Space-Frame-Technik werden die Funktionen Tragen und Verkleiden konsequent getrennt. Ziel ist ein tragendes Gerüst mit maximaler Materialausnutzung und damit hoher Gewichtseffizienz. Dieses Gerüst besteht aus zahlreichen Elementen, die sich in zwei Grundtypen gliedern lassen: Knoten und Verbindungen. Die Verbindungen sind als Strangpressprofile ausgeführt und haben ausschließlich die Aufgabe, Kräfte von einem Knoten zum nächsten weiterzuleiten. Ihre Querschnitte werden gezielt auf die jeweilige Belastungsart wie Biegung oder Torsion abgestimmt, wodurch eine optimale Nutzung des Werkstoffs erreicht wird. Zusatzfunktionen wie Befestigungen oder Krafteinleitungen werden vollständig in die Knoten verlagert, um die Profile möglichst einfach zu halten und zusätzliche Arbeitsgänge zu vermeiden. Die Knoten sind so ausgelegt, dass sie die Profile räumlich verbinden und zugleich als Aufnahmepunkte für Baugruppen wie Fahrwerk oder Motor dienen. Gefertigt werden sie aus hochwertigem Aluminiumguss und über vergleichsweise unkomplizierte Schweißnähte mit den Strangpressprofilen verbunden. Diese Technik wäre grundsätzlich auch für den Seitenwagenrahmen eine denkbare Alternative, erfordert jedoch ähnlich wie bei Fahrwerksteilen einen nicht unerheblichen Entwicklungsaufwand. Vorstellbar ist etwa eine Konstruktion mit drei Knoten, von denen zwei die Anschlüsse zur Maschine aufnehmen, während der dritte die Beiwagenradaufhängung und gegebenenfalls den Kotflügel trägt. Gleichzeitig könnten diese Knoten das Boot aufnehmen und für weitere Funktionen genutzt werden. Aluminium-Fahrwerksteile sind im Sportwagenbau seit Jahrzehnten Stand der Technik. Die Verbindung der Knoten könnte über verschweißte Vierkantrohre erfolgen. Durch unterschiedliche Längen dieser Verbindungselemente ließe sich der Rahmen zudem auf verschiedene Bootstypen abstimmen. Damit besteht weiterhin Potenzial für Gewichtsreduzierung und den verstärkten Einsatz von Aluminium im Gespannbau. Die damit verbundenen Entwicklungsarbeiten und Kosten dürfen jedoch nicht unterschätzt werden. Gerade bei den geringen Stückzahlen im Gespannbau müssen sämtliche Vorleistungen über den Verkaufspreis refinanziert werden. Um ein wirtschaftlich vertretbares Niveau zu halten, ist eine sorgfältige Abwägung von Aufwand und Nutzen unerlässlich. Nicht alles, was technisch machbar ist, ist auch sinnvoll. Ob eine zusätzliche Gewichtsersparnis von wenigen Kilogramm einen Mehrpreis von mehreren Tausend Mark rechtfertigt, entscheidet letztlich der Käufer. Dipl.-Ing. Michael Hölscher |
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