Stolzenberg

Stoltzenberg. Hersteller: Koepsel Fahrzeugtechnik (Hans Koepsel) – Frankfurt am Main, später Kiel. Produktionszeitraum ca. 1976–1982. Produzierte Stückzahl: ca. 30 Exemplare.

Beiwagen von Ing. Hans Koepsel, benannt nach dem pommerschen Geburtsort von Koepsel. Gefertigt wurden von 1975 bis 1982 etwa 30 Stück. Herstellung auch kurze Zeit in Florida (USA). Koepsel konnte bei seinen Umbauten auch auf die Beiwagen von Kali zurückgreifen.

 

Hans Koepsel auf einem "seiner" Beiwagen. Abb. Hans Hohmann, MG 26, März 1995
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Überblick

Der Stoltzenberg war ein leichter Tourenbeiwagen aus Glasfaser, der in den 1970er und frühen 1980er Jahren in Kleinserie gefertigt wurde. Er gehört heute zu den seltensten deutschen Seitenwagen. Benannt wurde er nach dem Geburtsort des Erbauers Hans Koepsel in Pommern.

 

Entstehungsgeschichte

Hans Koepsel, gelernter Wagnermeister aus Pommern, kam über den Karosseriebau in die Fahrzeug-Klempnerei und bildete sich zum Schweißfachingenieur weiter. In der Nachkriegszeit sammelte er Erfahrungen mit Polyester und baute sich einen kompletten Pkw in Eigenregie. Als in den 1950er und 1960er Jahren das Angebot an Seitenwagen zusammenschmolz, baten ihn befreundete Motorradfahrer um den Entwurf eines modernen Beiwagens. Obwohl selbst kein Zweiradfahrer, nahm er die Herausforderung an. Nach mehreren Prototypen begann Mitte der 1970er Jahre die Serienfertigung.

 

Konstruktion

Der Stoltzenberg war auf geringes Gewicht ausgelegt: Die Glasfaserboote und Schalensitze fertigte die Firma Souren in Aachen, Radaufhängung und Seitenwagenradbremse kamen von Achsherstellern aus dem Anhängerbau. Koepsel übernahm die Endmontage und schweißte das Fahrgestell in Eigenregie mit kaltbasischen Elektroden.

Der Rahmen basierte auf einem einfachen Prinzip: In einem Rechteckrohr quer unter dem Boot steckte die ebenfalls eckige Achse einer gezogenen Einarmschwinge. Beide Elemente waren über Gummitorsionselemente verbunden, die beim Einfedern progressiv auf Druck und Torsion beansprucht wurden – wartungsfrei und platzsparend. An der linken Bootsseite verlief ein Rohr mit großem Durchmesser, das alle Anschlüsse zum Motorrad aufnahm. Die Anschlussstreben wurden nicht geschweißt, sondern mit speziellen Briden angeschellt, was universelle Befestigungsmöglichkeiten an verschiedenen Zugmaschinen erlaubte.

Das Boot selbst ruhte auf Blattfedern mit einer Zwischenlage aus Hartholz auf dem Querträger. Das Leergewicht betrug lediglich 95 Kilogramm.

 

Ausstattung

Zur Serienausstattung gehörten eine obligatorische Dreifarben-Lackierung in den Farben der Zugmaschine, ein ergonomischer Schalensitz, ein großer Kofferraum (nur über den Sitz zugänglich), ein in den Bootskörper einbezogener Kotflügel sowie eine elektrostatische Beflockung des Innenraums. Die vom Rücklicht getrennten vorderen Leuchten waren seinerzeit sondergenehmigungspflichtig. Jedem Seitenwagen lag eine sechsseitige Anbauanleitung bei; auf Wunsch übernahm Koepsel auch den Zusammenbau des kompletten Gespanns.

Anfragen und Bestellungen kamen auch aus den USA; kurzzeitig wurde der Stoltzenberg sogar in Florida gefertigt. Nach dem Umzug des Betriebs nach Kiel traf die Wirtschaftskrise Ende der 1970er Jahre den kleinen Betrieb. 1982 gab Koepsel die Selbständigkeit auf, womit auch die Seitenwagenproduktion endete.

 

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Beitrag in MG 26, 27

Letzte Bearbeitung: 17. April 2026

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