Carell-SHOO – Ein familiengerechter Seitenwagen aus dem Emsland.
Der erste Carell-SHOO-Prototyp entstand 1984, doch dauerte es vier Jahre bis zur Serienreife. Entwickler war der Emsländer Fahrlehrer, Gespannfahrer und Familienvater Seppl Schoo, dem die damaligen Familienseitenwagen zu plump, zu bieder und zu teuer erschienen.
Entwicklung
Als Basis diente ein vorhandenes Squire-ST-2-Fahrgestell. Die Karosserie des ersten Prototyps entstand aus Styropor und Gips als Positivform mit integriertem Überrollbügel, darauf wurden mehrere Lagen GfK-Matten laminiert. Bei einem Stammtisch-Treffen beschloss Seppl Schoo, gemeinsam mit der Firma Carell einen windschnittigen Seitenwagen für leistungsstarke Zugmaschinen zu entwickeln.
Für den zweiten Prototyp wurde ein umfangreiches Anforderungspaket erstellt: Platz für einen Erwachsenen und ein Kind (Doppelschalensitz), windschlüpfige keilförmige Karosserie gegen Auftrieb, Verdeck nach dem Targa-Prinzip mit herausnehmbaren Seitenscheiben, großer Stauraum, bequemer Einstieg durch weit vorn öffnenden Scheibenaufsatz sowie große Beiwagenleuchten. Gunnar Carell testete diesen Prototyp an einer XS 1100 über 20.000 Kilometer.
Für den Serientyp wurde der Radausschnitt um zehn Zentimeter nach hinten versetzt, wodurch sich der Abstand zwischen Beifahrerkopf und Scheibe vergrößerte und der Seitenwagenvorlauf auf etwa 400 mm reduziert wurde. Die Kofferraumklappe wurde als freitragende, fünf Millimeter dicke Acrylglasscheibe ausgeführt, damit Kinder nach hinten hinaussehen können.
Markteinführung
Die Vorstellung erfolgte auf der IFMA 1988 an einer 13"-Carell-FJ. Von der Uridee 1985 bis zur Auslieferung des ersten Serienbeiwagens Ende 1989 vergingen gut vier Jahre bei geschätzten 3.000 Arbeitsstunden. Als Weiterentwicklung wurde der SHOO-Cabrio angekündigt, damaliger Wahlspruch: "The SHOO must go on!"
Modellpflege 1992 und Produktionsverlagerung nach England
Für das Modelljahr 1993 erhielt der SHOO wesentliche Verbesserungen. Der bisherige Schalensitz wurde durch eine durchgehende, gepolsterte Sitzbank ersetzt. Eine im Bootskörper integrierte Sitzwanne sorgte für mehr Kopffreiheit, die Sitzlehne wurde in der Neigung verstellbar. Der Scheibenaufsatz bekam eine von innen und außen zugängliche Verriegelung. Auch das Fahrgestell wurde neu konstruiert und kam nun mit EZS-Beiwagenschwinge, 4-Loch-Felge und Brembo-Scheibenbremse.
Ab 1993 wurde die Produktion des SHOO-Beiwagens zu Watsonian/Squire nach England verlagert. Der überarbeitete englische SHOO feierte auf der Ausstellung "Motorräder '93" in Dortmund Premiere und wurde ab März 1993 von Peter Lohre über ein ausgesuchtes Händlernetz vertrieben.
1994 präsentierte die englische Traditionsfirma Watsonian den völlig überarbeiteten SHOO unter dem neuen Namen "Carlo". Die Form wurde gegenüber dem SHOO etwas runder und insgesamt gefälliger gestaltet – für das endgültige Aussehen sorgte ein Designer. Die erste Präsentation des Carlo fand auf der Messe in Sinsheim statt, die damals die größte Gespannausstellung bot. Peter Lohre übernahm weiterhin den Vertrieb.
Praxiserfahrungen
Fahrer lobten die gefällige Form, das große Platzangebot trotz kompakter Optik, die überraschend bequemen Schalensitze, die große Beinfreiheit und den riesigen Kofferraum. Das Targa-Verdeck ermöglichte Sommerfahrten ohne "Saunaeffekt". Als Nachteile wurden die lange Lieferzeit, der hohe Preis, der nicht diebstahlsichere Kofferraum sowie das tief sitzende Federbein genannt, das an Straßenkanten aufsetzte.
Individuelle Anpassungen
Für größere Beifahrer erwies sich der SHOO als anpassungsfähig. Die Firma Omnibus-Vetter in Fellbach führte bei einem FJ 1200/SHOO-Gespann eine Dacherhöhung von 8 cm vorn und 13 cm hinten durch, gefertigt aus Aluminium und in Originalfarbe lackiert. Der serienmäßige Schalensitz wurde durch einen Maßsitz auf Omnibus-Rohrgestell mit guter seitlicher Führung und Automatikbeckengurt ersetzt. Die Innenverkleidung bestand aus grauem Nadelfilz, im Fußbereich verstärkt. Diese Umbauten zeigten, dass sich der SHOO auch für Beifahrer mit besonderen ergonomischen Anforderungen individualisieren ließ.
Gunnar Carell bei der Montage der Einstiegsklappe, 1991.
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Vorstellung IFMA 1988 mit 13" Fahrwerk und Yamaha FJ als Zugmaschine. Verkauf ab 1989 bei der Fa. Gunnar Carell.
Shoo-Technik
Vierkant-Stahlrohr-Dreiecksrahmen mit kugelgelagerter, gezogener Schwinge, einstellbares Kegelrollen-Radlager, Konifederbein (drei verschieden harte Federn zur Auswahl), hydraulische Trommelbremse.
Boot: GFK-Boot mit Scheibenaufsatz über 6 Silentblöcke mit dem Chassis verschraubt, Scharniere im Bootskörper integriert, Überrollbügel in das Boot integriert, Fußstütze serienmäßig, Acrylglas-Scheiben vorn und hinten. Reifen: 135 SR 13 (Stahlfelge).
GFK-Boot mit hydr. Trommelbremse. Fertigung ab 1993 bei Watsonian (GB). Gebaut bis etwa 2000.
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Beiträge in MG Erstausgabe 1988, 12, 13, 18, 22