Heos

HEOS war ein deutscher Hersteller von Offroad-Motorrädern und -Gespannen mit Sitz in Ostbevern im Münsterland (Nordrhein-Westfalen). Der Markenname ist ein Kunstwort aus den Anfangsbuchstaben von HEitmann und OStbevern. Nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Berliner Beiwagenhersteller HEOS, der 1922 gegründet wurde und Seitenwagen für leichte Motorräder fertigte.

 

Gründer und Vorgeschichte

Willi Heitmann, geboren in Ostbevern, war seit Ende der 1960er Jahre aktiver Motocross-Gespannfahrer. Gemeinsam mit seinem Beifahrer Alfons Kampelmann belegte er zwischen 1968 und 1973 mehrfach vordere Plätze in der Deutschen Motocross-Seitenwagenmeisterschaft, darunter dreimal den vierten Rang. Ab 1971 starteten die beiden auch bei internationalen Veranstaltungen in den Niederlanden, Frankreich und Italien. 1973 trat das Gespann bereits mit einem Eigenbau-Rahmen und einem 750-cm³-Yamaha-Motor an.

Aus seiner Erfahrung als Fahrer und Konstrukteur heraus entwickelte Heitmann zunehmend eigene Fahrwerke. Mit handelsüblichen Serienmotoren von Yamaha und Honda, selbst entwickelten Rahmen und zugekauften Anbauteilen baute er ab den späten 1970er Jahren Geländemotorräder und Gespanne in Kleinserie.

 

Frühphase: HEOS XT 500 (ab 1979)

1979 entstand einer der ersten HEOS-Rahmen für den Motor der Yamaha XT 500. Heitmann erprobte das Fahrzeug selbst bei Läufen zur Norddeutschen Geländemeisterschaft. Das Fahrwerk fiel durch hohe Handlichkeit auf; namhafte Geländesportler wie Heino Büse, damals Weltklasse-Fahrer, lobten die Auslegung ausdrücklich.

Anfang 1980 entstand mit Unterstützung der Firma Penzoil aus Greven eine Kleinserie von 40 bis 50 Rahmen zum Stückpreis von 7.800 DM. Charakteristisch war die Doppelrohr-Rahmenkonstruktion mit geknickter Hinterradschwinge, die gegenüber dem Serienrahmen deutliche Vorteile in Gewicht und Handlichkeit bot. Das Öl für den XT-Motor wurde wie beim Original im Zentralrohr bevorratet, jedoch mit verlegten Zu- und Abführungsöffnungen.

Fritz Witzel jun. errang auf einer HEOS-Maschine Anfang der 1980er Jahre den Vize-Enduro-Europameistertitel. Mit dem Aufkommen von Vierventilmotoren erweiterte HEOS das Rahmenprogramm auf Yamaha XT 550, XT 600, TT 600 sowie Honda XR 500 und XR 600.

 

Markenname und Serienphase (ab 1985)

1985 weitete Heitmann seine Aktivitäten formell aus und führte den Markennamen HEOS ein. Ab diesem Zeitpunkt entstanden Gespanne und Solomotorräder in strukturierter Kleinserie. Schwerpunkt waren Enduro- und Motocross-Gespanne mit KTM-Motoren (vorwiegend Zweitakt, 499 cm³), später auch mit Husaberg- und Husqvarna-Triebwerken. Die Fahrgestellnummern folgten dem Schema HEI + laufende Nummer.

Heitmann arbeitete strikt als Rahmenschmiede: Motoren, Gabelbrücken, Federbeine und sonstige Anbauteile wurden von führenden Serienherstellern bezogen und individuell kombiniert. Jedes Fahrzeug entstand auf Kundenwunsch mit variablen Spezifikationen — Schwingenlänge, Dämpferauswahl, Ausstattung. Straßenzulassungen waren für Wettbewerbsgespanne nicht vorgesehen; einzelne Exemplare wurden nachträglich durch Kfz-Betriebe mit Ballastgewicht und Zubehör für den Straßenbetrieb umgerüstet.

 

Sportliche Erfolge

HEOS-Fahrwerke dominierten die Deutsche Enduro-Gespannmeisterschaft in der späten 1980er und frühen 1990er Jahren vollständig. Die wichtigsten dokumentierten Ergebnisse auf HEOS-Fahrwerken:

Alfons Kampelmann / Hans-Werner Bauss: 7 aufeinanderfolgende Deutsche Enduro-Gespannmeistertitel 1988–1994 (HEOS-KTM); dazu 1994 Europa-Cup-Sieger. Diese Titelserie ist bis heute unerreicht in der Geschichte des deutschen Enduro-Gespannsports.

Hans-Werner Bauss: Deutschen Meister 1988, 1989, 1990, 1991, 1992, 1993, 1994 (alle HEOS-KTM).

Ende der 1980er und in den 1990er Jahren fuhren nach Aussage zeitgenössischer Quellen alle Deutschen Enduro-Gespannmeister ausschliesslich HEOS-Fahrwerke. Auch in späteren Jahren waren HEOS-Gespanne im deutschen Seitenwagen-Geländesport zahlreich vertreten.

 

Produktionsende

Willi Heitmann stellte die Motorradproduktion nach eigenen Angaben etwa 15 Jahre nach dem Höhepunkt der Aktivität ein; spätere Forumsbeiträge verweisen darauf, dass der Betrieb auf andere Produkte umschwenkte. Heitmann ist verstorben; sein Sohn übernahm das Unternehmen nicht in der ursprünglichen Form. Der gesamte Bestand an Vorrichtungen, Schablonen und Restteilen wurde von einem Dritten aufgekauft, ohne dass eine Weiterführung erfolgte. Teilweise wurden Solo-Rahmen in Polen gefertigt. Die Anzahl der insgesamt gebauten Fahrzeuge ist nicht dokumentiert; HEOS-Fahrzeuge gelten heute als ausgesprochene Raritäten.

 

Technische Merkmale der Gespanne

 

Namensgleichheit

Der Name HEOS ist in der Gespann-Geschichte doppelt belegt. Der ältere Berliner Beiwagenhersteller HEOS wurde 1922 gegründet und produzierte Seitenwagen für leichte Motorräder; er hat keine Verbindung zur münsterländischen Marke von Willi Heitmann.

 

 

Quellen

 

Produktionszahlen, genaues Produktionsende und vollständige Motorenliste sind aus verfügbaren Quellen nicht abschliessend zu rekonstruieren.

 

Siehe auch: Enduro-Gespann, Moto Cross-Gespann

 

 

Beitrag in MG Ausgabe 9: Fahrbericht Yamaha XTZ mit Heos/Römer-Enduro-Fahrwerk

Letzte Bearbeitung: 16. Juni 2026

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