GG Duetto

GG Duetto. Hersteller: Grüter + Gut (GG), Ermensee bei Luzern, Schweiz

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Basisfahrzeug BMW K 1100

 

Überblick

Das GG Duetto war ein Hochpreis-Gespann des Schweizer Herstellers Grüter + Gut aus Ermensee bei Luzern. Firmengründer Walter Grüter betrieb am Vierwaldstättersee eine Motorradwerkstatt und fertigte auf CNC-Fräsmaschinen hochwertige Zubehörteile – unter anderem Kupplungen, Bremszangen und Ölwannen – für Guzzi, BMW und Harley-Davidson. Über die Schweizer Grenzen hinaus hatte er sich damit einen Namen als Zulieferer geschaffen.

 

Entstehungsgeschichte

In einer Zeit, in der Einarmschwingen und schmale 16-Zoll-Pkw-Reifen im Gespannbau en vogue waren, wagte Walter Grüter mit dem Duetto einen Vorstoß ins dreirädrige Metier. Der auf einer BMW K 100 basierende Prototyp verfügte über eine Achsschenkellenkung und breite Reifen – eine seinerzeit als revolutionär geltende Konstruktion. Zunächst besaß der Urtyp geschweißte Längslenker für die Vorderradführung, die später durch selbstgefräste Leichtmetallschwingen ersetzt wurden. Nach einigen Messeauftritten verschwand der Prototyp jedoch in der Versenkung: Dem perfektionistisch veranlagten Konstrukteur fehlten Zeit, Kapital und die nach seinen Vorstellungen notwendige Infrastruktur für eine Serienfertigung.

Zwei Jahre vor der Vorstellung der Serienversion kehrte Grüter ans Zeichenbrett zurück und überarbeitete sein Projekt in wesentlichen Details. Für die endgültige, dritte Ausgabe des Duetto entschied er sich für eine neue Lösung: einen aus Leichtmetall-Legierung hohlgegossenen Einarm-Schwingenkörper mit Radnabenlenkung.

 

Serienproduktion

Für die auf 25 Exemplare limitierte erste Auflage mietete Grüter eigens eine Montagehalle an und erwarb die benötigten BMW K 1100 in einem Los bei BMW Suisse. Diese Kapitalbindung erfolgte bewusst, um die Basismaschinen in entsprechender Stückzahl günstiger beziehen zu können. Im Unterschied zu vielen anderen Gespannschmieden, die erst bei Vorliegen fixer Bestellungen mit dem Bau begannen, ließ Grüter sämtliche Frästeile und Rohre vorab für die komplette Auflage herstellen. In der Produktionshalle standen mehrere Rumpfmotorräder auf Böcken in Reih und Glied, sodass die einzelnen Baugruppen wie am Fließband montiert werden konnten. Bei Auftragseingang mussten die vormontierten Gespanne lediglich noch komplettiert werden.

Extern vergeben wurden ausschließlich das Gießen der Hohlkörper-Schwingen sowie die Polyester- und Lackierarbeiten.

 

Technik

Fahrwerk vorn

Die Vorderradaufhängung bestand aus gefrästen Leichtmetallhebeln, abgestützt durch einen White-Power-Stoßdämpfer auf einer Schubschwinge. In der Radschüssel befand sich eine innenbelüftete 300-mm-Bremsscheibe samt einer Achtkolben-Bremszange aus eigener Fertigung. Diverse weitere Komponenten waren aus Leichtmetall gefräst und feinbearbeitet.
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Fahrwerk hinten

Am Heck kam die originale BMW-Paralever-Schwinge zum Einsatz, ebenfalls mit einem White-Power-Stoßdämpfer. Der Vorderrad-Nachlauf war zwischen Null und 80 Millimeter stufenlos justierbar.

 

Seitenwagenrad

Das Beiwagenrad wurde von einer Querlenker-Trapezschwinge mit einem Bitubo-Federelement geführt. Seitenrad-Vorspur und -Sturz waren stufenlos verstellbar.

 

Räder und Reifen

Das Duetto lief auf eigens von Marchesini entworfenen Dreispeichen-Gussrädern. Hinten und am Beiwagen kamen Reifen der Dimension 185/50 x 14 zum Einsatz. Vorn wurde ein Dunlop SP 2000 montiert.

 

Bremsanlage

Das Gespann verfügte über eine pedalbetätigte Verbundbremse, die vorn zwei der vier Kolbenpaare aktivierte. Die beiden übrigen standen der Handbremse zur Verfügung. Die Sattelabstützung war so ausgelegt, dass der Vorderbau beim Bremsen dezent einnickte – ein vom Fahrer als willkommener Rückkoppelungseffekt registriertes Verhalten. Das ABS war so geschaltet, dass es erst beim Blockieren des Vorderrades abregelte. Am Beiwagenrad war kein ABS vorhanden.

 

Rahmen und Anbindung

Im Gegensatz zum Krauser Domani blieb beim Duetto der Brückenrahmen der BMW-Basismaschine Bestandteil des Chassis. Der Seitenwagen war über vier Streben mit dem Motorrad verschraubt, wobei die unteren Anschlüsse bis zur linken Seite reichten und gleichzeitig als Verstärkung dienten. Die Konstruktion wurde vor dem Serienanlauf auf dem Prüfstand (Pulser) getestet.

 

Karosserie und Ausstattung

 

Fahrverhalten

Das Duetto imponierte mit satter Straßenlage dank günstiger Gewichtsverteilung und Breitreifen. Nur bei nahezu leerem Tank und ohne Passagier ließ sich das Beiwagenrad in Rechtskurven vom Boden lösen; ansonsten schob das Heck kontrollierbar nach außen. Die Bremsanlage lieferte hervorragende Verzögerungswerte, für Alltagssituationen genügte bereits die Handbremse allein. Die Federung bot trotz sportlicher Abstimmung ausreichend Komfort; jenseits der 180-km/h-Marke blieb das Gespann ruhig, sofern die elffach verstellbare Zugstufendämpfung des WP-Elementes mindestens zwei Klicks über dem Normalniveau eingestellt wurde.

Das Leergewicht betrug 430 Kilogramm.

 

Preis und Marktpositionierung

Mit einem Preis von 77.000 D-Mark war das GG Duetto bei der Vorstellung 1994 im oberen Segment des Gespannmarktes angesiedelt. Grüter bewarb sein Produkt mit einem achtseitigen Farbprospekt und verfolgte bewusst eine Nischenstrategie für eine finanzkräftige Klientel. Die exklusive Positionierung stand in Konkurrenz zum wenige Jahre zuvor erschienenen Krauser Domani, von dessen 50er-Auflage ein Großteil nach Japan verkauft worden war.

 

25 GG-Duetto in Serienfertigung.
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Beiträge in MG 26 und 30

Letzte Bearbeitung: 15. April 2026

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