Positiver Sturz (im Allgemeinen nur Sturz genannt) ist eine geringe Neigung des Motorrades zu der dem Seitenwagen abgewandten Seite. Beim Rechtsseitenwagen also nach links. In der Praxis ist der Sturz bei Gespannen ein Mittel, um den Geradeauslauf des Gespanns zu korrigieren, allerdings nicht bei Gespannen mit Autoreifen. Ein Sturz wird, wenn überhaupt, nur bei Gespannen mit rundem Reifenprofil (Soloreifen) gegeben.
Gespanne mit Autoreifen werden (mit dem Gewicht des Fahrers) senkrecht gestellt. Würde man hier Sturz gegeben, liefen die Räder der Zugmaschine auf der Reifenkante. Es würde sehr schnell deutlich an einseitig abgefahrenen Reifen. Die Hersteller von autobereiften Gespannen verzichten aus guten Gründen auf den Einflussfaktor Sturz.
Aber auch bei einem optimal eingestellten Gespann ändern sich der Geradeauslauf durch Fahrbahnveränderungen und Schwerpunktverlagerung. Bei einem Gespann mit rundem Reifenprofil kann es durchaus sinnvoll sein, vor einer längeren Urlaubsfahrt mit voll beladenem Beiwagen, den Sturz etwas zu vergrößern um den Rechtszug durch die Beiwagenmasse auszugleichen.
Sturzschnellverstellung
In den 1930er Jahren entwickelte Stoye die sogenannte Sturzschnellverstellung. Dabei war die obere Anschlussstrebe eines Dreipunktanschlusses mit einer Gewindestange ausgestattet, die sich über einen federbelasteten Knebel herausdrehen ließ, was eine Verlängerung der Strebe und damit mehr Sturz bewirkte, oder hineindrehen ließ, wodurch sich die Strebe verkürzte und der Sturz entsprechend reduzierte. In den frühen 1990er Jahren experimentierte auch Sauer mit einem vergleichbaren System an einem Vierpunktanschuss.
Sturzangaben aus einer MZ-Bedienungsanleitung der 1960er Jahre bei rundem Reifenprofil und ohne Fahrer.
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Sturzangaben aus einem MZ-Handbuch der 1950er Jahre.
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Einige Gespannhersteller bieten die Möglichkeit den Sturz am Beiwagenrad zu verändern.
Richtwerte
Typische Sturzwerte bei rundem Reifenprofil: 1 bis 3 Grad. Bei Autoreifen: 0 Grad (senkrecht gestellt). Beispiel aus Messung: Nachlauf Vorderrad 20 mm, Sturz Motorrad 0 Grad bei einem Gespann mit Vorspur 25 mm.
Messung
Zur Messung des Sturzes wird das Gespann auf ebenem Untergrund mit dem Fahrergewicht belastet. Ein Lot oder eine Wasserwaage an der Vordergabel oder am Motorradrahmen ergibt den Neigungswinkel gegenüber der Senkrechten. Bei Gespannen mit rundem Reifenprofil wird der Sturz so eingestellt, dass das Gespann im belasteten Zustand leicht zur beiwagenabgewandten Seite geneigt ist.
Wechselwirkung mit Vorspur
Sturz und Vorspur (→ Vorspur) beeinflussen sich gegenseitig. Eine Veränderung des Sturzes erfordert in der Regel eine Neueinstellung der Vorspur, da beides das Geradeauslaufverhalten des Gespanns bestimmt. Bei Gespannen mit Autoreifen entfällt die Sturzeinstellung; hier wird ausschließlich über die Vorspur korrigiert.
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