Reiger

(Reiger Racing Suspension / Reiger Suspension). Sitz in Hengelo, Niederlande.
Seit 2021 Teil der KW automotive GmbH.

 

Tätigkeitsfeld:

Stoßdämpfer- und Fahrwerksspezialist aktiv im Offroad-Motorsport; Entwickler einer Beiwagenrad-Lenkung für Motocross-Gespanne.

 

Firmengeschichte

Gerard Seesing, leidenschaftlicher Motocross-Fahrer, begann 1977 aus Geldnot, gebrauchte Autostoßdämpfer vom Schrottplatz zu zerlegen und daraus eigene Dämpfer zu bauen. Bis 1989 fertigte er die Dämpfer nebenberuflich, danach gemeinsam mit seiner Frau Anja Seesing in Vollzeit. Der große Durchbruch in den Motorsport-Mainstream kam 1997, als das Ford-WRC-Team (Juha Kankkunen, Carlos Sainz) auf Reiger-Dämpfer umstieg.

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Die Reiger-Seitenwagenlenkung

Reiger-Inhaber Gerard Seesing entwickelte ein patentiertes, passiv arbeitendes Lenksystem für das Beiwagenrad bei Motocross-Gespannen. Ziel: das in Kurven gegen die Lenkung arbeitende Boots-Rad besser ins Fahrverhalten einzubinden.

 

Technisches Prinzip:

Die Achsaufnahme des Boots-Rads ist eine gezogene Schwinge, hinten zusätzlich über zwei quer zur Fahrtrichtung liegende Zuganker abgestützt (horizontale und vertikale Bewegung um den vorderen Drehpunkt möglich).

Vorne übernimmt statt einer starren Achse eine quer liegende Kolbenstange die Anlenkung, geführt von einem Steuerelement mit justierbarer Dämpferhydraulik und Schraubenfedern.
Bei Geradeausfahrt: neutrale Vorspur, Hydraulisch gedämpft gegen Radflattern.
In Kurven: Seitenkräfte lösen ein Einschlagen der Lenkung in Fahrtrichtung aus (Servoeffekt), besonders wirksam bei kurvenaußen liegendem Boot. Zusätzlich Kopplung mit der Federbein-Dämpfung des Beiwagens, wodurch das Eintauchen ("Nicken") der Boots-Federung reduziert wird – das Hinterrad der Zugmaschine bleibt dadurch besser am Boden. Diese Konstruktion ermöglicht erstmals Stollenbereifung auf dem Boots-Rad.

 

Vermarktung:

Mehrere holländische Motocross-WM-Teams testeten das System mit Begeisterung. Da Jean-Pierre Maes (Chef der inzwischen nach Belgien verkauften EML-Crossproduktion) kein Interesse an der Entwicklung zeigte, ließ Reiger seine Gespanne stattdessen bei Hocob fertigen, der ehemaligen Produktionsstätte von VMC in Holten (NL); die Boote wurden dort mit gängigen Maschinenchassis verschweißt.

Reiger entwickelte parallel auch neue Federbeine mit zwei separaten Druckstufenverstellungen für grobe und feine Stoßeinwirkung.

 

Spätere Bedeutung im Gespannsport

Reiger blieb dem Sidecarcross eng verbunden: Der zehnfache Sidecarcross-Weltmeister Daniel Willemsen fuhr nach Firmenangaben sämtliche WM-Titel auf Reiger-Fahrwerken (zuletzt bestätigt 2012), ebenso die Weltmeister-Teams Jan Hendrickx/Ben van den Bogaard (2016). Die Sparte "Sidecars" wird auf der Firmen-Website bis heute explizit als eigenes Marktsegment neben Rallye, Dakar und Trial genannt.

2021 übernahm die deutsche KW automotive GmbH (Fichtenberg) Reiger Racing Suspension; der Standort Hengelo und die Eigenständigkeit der Marke bleiben mindestens zehn Jahre vertraglich gesichert. Firmengründer Gerard Seesing ist weiterhin aktiv in Kundenbetreuung und Entwicklung eingebunden.

 

 

Quellen

Letzte Bearbeitung: 24. Juni 2026

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