KS 601 (Zündapp)

Die Zündapp KS 601, volkstümlich „Grüner Elefant", ist das bedeutendste Nachkriegsmodell der Nürnberger Zündapp-Werke und gilt als stärkstes deutsches Serienmotorrad der 1950er Jahre.

Mit ihrem 597-cm³-Boxermotor, dem Kardan-Endantrieb und vier werksseitigen Beiwagenanschlusspunkten war sie von Beginn an für den Gespannbetrieb ausgelegt. Für Gespannfahrer ist die KS 601 ein Schlüsselfahrzeug der deutschen Zweiradgeschichte: Als Werks-Gespann dominierte sie von 1955 bis 1960 die Deutsche Geländemeisterschaft in der großen Seitenwagenklasse ohne Unterbrechung.

 

Daten KS 601 (KS 601 Sport)

 

Produktionszahlen

 

Einsatzbereich

Zivilbetrieb

Die KS 601 war das bevorzugte Zugmotorrad für schwere Beiwagenkombinationen im zivilen Bereich. Vier werksseitige Beiwagenanschlusspunkte und ein verstärkter Hinterradschwingbereich ermöglichten den dauerhaften Gespannbetrieb ohne Sonderumrüstung. Die Maschine bewährte sich bei Fernreisen, Alpentouren und im Winter-Betrieb.

 

Behördeneinsatz

Nach Kriegsende erhielten Behörden zunächst die verbliebenen Wehrmacht-Maschinen; die KS 601 trat ab 1951 als direkter Nachfolger an. Zoll, Polizei und Bundesgrenzschutz (BGS) setzten die Maschine — überwiegend als Gespann — im Streifendienst und für Verfolgungsfahrten ein. Der Deutsche Zollmuseum in Nürnberg bewahrt ein restauriertes Exemplar in Behördengrün mit TR-500-Beiwagen; die Maschine diente u. a. an der westdeutschen Grenze zur Bekämpfung des Kaffeeschmuggels aus Belgien. Die Behördenfahrzeuge wurden Mitte der 1950er Jahre schrittweise durch den VW Käfer abgelöst.

 

Motorsport (Geländesport)

Zündapp setzte seriennahe Werksgespanne in Zuverlässigkeitsfahrten und Geländeprüfungen ein — kein Straßenrennsport. Erfolge:

 

Konstruktion

 

Herkunft des Spitznamens „Grüner Elefant"

Der Name stammt aus einem Testbericht des Journalisten Carl Hertweck in der Zeitschrift Das Motorrad (Heft 25/1951). Hertweck verband die charakteristische Lindgrün-Lackierung (RAL 6011) mit dem massiven Drehmoment und der Kraft des Boxermotors zu der Metapher „Grüner Elefant". Der Spitzname setzte sich unmittelbar durch und wurde Teil der Modellidentität. Eine direkte Folge: Im Januar 1956 veranstaltete Ernst Leverkus auf der Solitude-Rennstrecke das erste „Elefantentreffen" als Wintertreff für KS-601-Fahrer, die Ur-Form des bis heute jährlich stattfindenden Elefantentreffens.

Die KS 601 wurde 1957 ohne direkten Nachfolger eingestellt.

 

Typische Gespannkombinationen

 

 

Ab 1954 wurden alle Steib-Beiwagen ausschließlich mit Gummibandaufhängung gefertigt — auch alle Behördenfahrzeuge.

Die Zündapp KS 601 ist das bedeutendste westdeutsche Motorrad der unmittelbaren Nachkriegszeit. Sie verkörpert den Wiederaufbau der deutschen Motorradindustrie und ist museal breit vertreten: Deutsches Museum München, Museum Industriekultur Nürnberg, Deutsches Zollmuseum Hamburg, Deutsches Technikmuseum Berlin.

Etwa 250 fahrbereite/restaurierte Exemplare sind weltweit bekannt.

 

 

Quellen

Letzte Bearbeitung: 1. Juni 2026

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