Deutscher Motorradhersteller, 1945–1954, Sitz in Lintorf bei Ratingen (Nordrhein-Westfalen). Gegründet von Jakob Oswald Hoffmann (1896–1972), der bereits seit 1934 die Solingen Fahrradfabrik betrieb. Nach Kriegsende verlegte er die Produktion 1945 in ein ehemaliges Stahlwerk in Lintorf und nahm dort zunächst die Fahrradproduktion wieder auf. Ab 1949 folgten Motorräder mit Sachs- und ILO-Motoren (98 bis 250 cm³) sowie die lizenzgefertigte Vespa, von der bis 1954 über 60.000 Exemplare entstanden.
Hoffmann Gouverneur (MP 250 / MP 250-2)
Hoffmanns technisch bedeutendstes Modell war die Gouverneur, konstruiert von Richard Küchen. Das Motorrad gilt als das weltweit erste Serienmotorrad mit 250-cm³-Boxermotor und Kardanantrieb. Der luftgekühlte OHV-Zweizylinder-Viertaktmotor (248 cm³) leistete in der Erstversion 11 PS, das überarbeitete Modell MP 250-2 ab 1953 dann 14,5 PS bei 4.800 U/min. Küchens Vorliebe für glatte Oberflächen ergab eine elegante Optik, führte jedoch zu Kühlproblemen und hohen Fertigungskosten. Der Pressstahl-Brückenrahmen sowie die seinerzeit ungewöhnliche Upside-down-Gabel von 32 mm Durchmesser waren konstruktiv fortschrittlich.
Beiwagenanschluss
Die Gouverneur war ab Werk mit einem Seitenwagenanschluss ausgestattet. Zu den serienmäßigen Merkmalen der Gouverneur-Modelle zählten neben dem abschließbaren Werkzeugkasten und der Leerlaufanzeige ausdrücklich ein Seitenwagenanschluss. Der Preis des 250er-Modells lag bei rund 2.350 D-Mark. Dass Hoffmann dieses Ausstattungsmerkmal bei einer 250er-Maschine von Beginn an vorsah, unterstreicht den Anspruch, im Marktsegment oberhalb der einfachen Alltagsmotorräder zu konkurrieren — ein Segment, in dem Gespanne seinerzeit zur Normalität gehörten.
Produktion und Ende
Von der ersten Gouverneur-Serie (MP 250) wurden lediglich rund 450 Exemplare abgesetzt, von der überarbeiteten MP 250-2 sollen 1953/54 etwa 3.000 Stück verkauft worden sein; hinzu kamen 780 Exemplare der S 300. Das Unternehmen scheiterte 1954 gleichzeitig am Streit mit Piaggio über eine eigenmächtig modifizierte Vespa-Variante, an einem verlorenen Rechtsstreit mit BMW wegen der kopierten Isetta-Kabine sowie an der Verweigerung eines Bankkredits. Am 25. November 1954 meldeten die Hoffmann-Werke Konkurs an.
Quellen:
Old Bike Australasia (Mai 2026); Wikipedia: Hoffmann-Werke Lintorf; unserlexikon.de