Die S.A. des Ateliers Gillet wurde 1919 in Herstal bei Lüttich gegründet, von Désiré Gillet und seinem Sohn Léon. Der Namenszusatz Herstal diente der Abgrenzung von der französischen Marke René Gillet in Paris. Beide Firmen bestanden unabhängig voneinander.
Geschichte
Neben FN und Saroléa zählte Gillet Herstal zu den drei großen Motorradherstellern der belgischen Region um Lüttich. Diese Region profitierte von den dort ansässigen, präzisionstechnisch ausgebildeten Fachkräften der Waffenindustrie. Bekannt wurde die Marke durch Robert Sexé, der mit einem 346 ccm Zweitakter mit Drehschieber die Welt umrundete. Diese Leistung führte Ende der 1920er Jahre zur Einführung des Modells Tour du Monde.
1928 und 1929 baute Gillet Herstal zusätzlich ein dreirädriges Automobil mit Motorradmotor. Am 22. September 1929 stellte eines dieser Fahrzeuge in Malle einen Geschwindigkeitsrekord in der Cyclecar 500 Klasse auf, mit 117,647(!) Stundenkilometern. Die Motorrad und Automobilproduktion endete 1959.
Beiwagen
Zu einem eigenen Renn- oder Militäreinsatz von Gillet Herstal Seitenwagen liegen keine belastbaren Detailangaben vor. Erhalten sind lediglich Fotobelege einzelner Gillet Sidecar Kombinationen aus den 1920er Jahren. Davon zu unterscheiden ist die französische Marke René Gillet, für die ein Militäreinsatz von Seitenwagen belegt ist.
Die Wiener Fachzeitschrift Das Motorrad berichtet 1930 von 80 Rene Gillet Motorrädern mit Seitenwagen bei einem Manöver. Diese sollten außer den Beifahrern auch Waffen und Munition befördern. Dieser Beleg betrifft also die französische Marke René Gillet, nicht die belgische Firma Gillet Herstal, deren Namenszusatz gerade der Abgrenzung von dieser anderen Marke diente.
Quellen
Das Motorrad, 15. April 1930, S.54. ANNO, betrifft René Gillet, nicht Gillet-Herstal
Wikipedia: Gillet (Motorradhersteller)
Bonhams Auktionskatalog (Web)
cybermotorcycle.com, Sheldon's EMU (Web)
Yves Campion, Les motos Gillet, Herstal, 1919 bis 1959, Nostalgia, 2000. Standardwerk, nicht online verfügbar.
Anmerkung zur Quellenlage
Firmengeschichte und Motorradrennsport von Gillet Herstal sind allgemein gut belegt. Ein seitenwagenspezifischer Renn- oder Militäreinsatz ist für Gillet Herstal nur als Bildbeleg vorhanden, nicht als belegte Erzählung. Details dazu bietet vermutlich das genannte Standardwerk von Yves Campion.
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