GEDÜ ist die im Motorradhandel gebräuchliche Kurzform für die Berliner Firma George & Düllo. Das Unternehmen trat Anfang der 1930er-Jahre als Generalvertrieb für Deutschland des Champion-Seitenwagens auf und wird in manchen Quellen selbst als Marke wahrgenommen, obwohl es sich um einen Vertriebsbetrieb und nicht um den Hersteller handelte.
Werbemotto: "Wer erst mal den Champion fährt, in Zukunft anderes nicht begehrt!"
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Firma: George & Düllo Sitz: Berlin SW 68, Lindenstr. 91 Fernsprecher: A7 Dönhoff 7011 Postscheckkonto: Berlin 53422 Tätigkeit: Generalvertrieb für Deutschland (Champion-Seitenwagen)
Diese Angaben stammen von einer im Original abgebildeten Firmenanzeige aus den frühen bis mittleren 1930er-Jahren und gelten damit als gesichert.
Geschäftstätigkeit
George & Düllo wird in unterschiedlichen Quellen unterschiedlich eingeordnet: als "Berliner Großhändler" (so ein Restaurator im Umfeld des Dessauer Seitenwagentreffens), als "Motorradhaus" (so ein Antiquariat für Fahrzeugliteratur in seinem Katalogeintrag) und als "Generalvertrieb für Deutschland" (so die Firma selbst in ihrer Anzeige).
Alle drei Einordnungen decken sich in der Kernaussage: GEDÜ vertrieb den Champion-Seitenwagen, stellte ihn nicht selbst her.
Wer den Champion-Seitenwagen fertigte, bleibt eine diffizile, bislang ungeklärte Frage. In mehreren voneinander unabhängigen Foren wird eine Firma "Vereinigte Beiwagen Fabriken Champion" in Dessau genannt, mit dem Zusatz "Seitenwagen-Lizenz Ing. O.E. Peter, Gebr. Sachsenberg, Dessau-Rosslau". Das Technikmuseum Dessau zeigt Champion-Beiwagen zudem gemeinsam mit den ebenfalls dort gefertigten Marken ANFA und "Dessauer" in einer kleinen Sonderausstellung, was zu dieser Zuordnung passt. Eine Primärquelle für die Dessauer Fertigung fehlt bislang.
Der Champion-Seitenwagen
Champion-Beiwagen hatten einen Rahmen aus nahtlos kaltgezogenen Rohren. Das vordere Rahmenrohr war als Rennbügel ausgebildet, das hintere Querrohr diente der Stabilisierung und war mit dem Rennbügel ausschließlich über Muffen verbunden. Das Beiwagenrad wurde durch eine Schwingachse mit Spiralfeder gedämpft, das Boot hing in ungewöhnlich breiten Blattfederpaketen, die das seitliche Schwingen verringern sollten. Die hinteren Federenden waren mit Widerlagern am Boot befestigt, die vorderen als Gleitlager ausgebildet, wodurch das Längsschaukeln des Bootes gemindert wurde.
Das achteckige Boot wirkte mit dem aufgelackierten Stern an der Spitze und den Zierleisten an den Kanten sportlich. Champion-Boote waren in mannigfaltigen Heckvarianten lieferbar: als Spitzheck beim Modell Champion-Sport, als sogenanntes Bugatti-Heck beim gleichnamigen Modell und mit einem größeren, über eine separate Heckklappe zugänglichen Kofferraum beim Modell Champion-Touren.
Preise (Originalanzeige, undatiert, vermutlich erste Hälfte der 1930er-Jahre):
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Der Preis galt für die serienmäßige Ausstattung mit Stromlinienlampe, Fußteppich, verchromten Gepäckrasten und Anschlußteilen, Lackierung und Bereifung passend zur Maschine, ab Berlin, ausschließlich Verpackung. Aufpreise wurden erhoben für Persenning (RM 10,-), Windschutzscheibe (RM 10,-) und Scheibenrad mit Zierkappe (RM 10,-).
Als konstruktive Vorteile bewarb GEDÜ den Verzicht auf einen gesonderten Chassisrahmen, dessen Funktion der Renn- beziehungsweise Haltebügel übernahm, wodurch der Champion nach Werbeaussage "chassislos" sei, die durchgehende Blattgleitfederung für stoßfreies Fahren auch auf schlechten Straßen, formschlüssige Klemmuffen (vermutlich hartgelötet) anstelle von Schweißstellen sowie die durch den Fortfall des Chassisrahmens erreichte tiefe Schwerpunktlage.
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Historischer Kontext
Der allgemeine Beiwagenabsatz litt unter der Weltwirtschaftskrise. Der Höchststand der registrierten Arbeitslosigkeit lag im Februar 1932 bei rund 6 Millionen .
Die außergewöhnliche Rahmenkonstruktion des Champion sprach nach Einschätzung von MOTORRAD-GESPANNE (MG 49) vor allem ein kleineres, sportlich ambitioniertes Publikum an.
Quellen:
MOTORRAD-GESPANNE Nr. 49
motor-lit-berlin.de, Katalogeintrag "Champion Seitenwagen, Motorradhaus GEDÜ Berlin, 1930er Jahre" (Prospekte von 1936 und undatiert 1930er-Jahre).
MZ-Forum, Thread "Kennt jemand den Fuchsloch-Beiwagen" (unbestätigt, zur Dessauer Fertigung).
Stoye Fahrzeugbau Blog und Deutsche Seitenwagen Blog, Beiträge zum Dessauer Seitenwagentreffen (unbestätigt).
IG Ostdeutsche Fahrzeuge, Foren-Threads "Dessauer Seitenwagen" und "Stolz Seitenwagen Rennspezial" (unbestätigt).
Beiwagentechnik von GEDÜ.
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