--- Definition ---
Im Gespannbau bezeichnet Deichsel die Gesamtheit der Verbindungsstreben (Anschlussstreben), die den Beiwagenrahmen mit dem Rahmen oder speziellen Anschlusspunkten der Zugmaschine verbinden. Über die Anschlussstreben werden alle Kräfte übertragen: Zugkräfte (Beschleunigung), Druckkräfte (Bremsung) und Seitenkräfte (Kurvenfahrt). Die Anschlussstrebe ist kein einzelnes Bauteil, sondern ein System aus zwei bis vier Streben, das dem Beiwagenrahmen Lage und Winkel zur Zugmaschine festlegt. (→ Anschlusspunkte)
--- Aufbau ---
Standard-Deichseln bestehen aus zwei Hauptstreben: einer vorderen (Zuganker) und einer hinteren (Druckanker), die den Beiwagenrahmen an zwei Punkten am Motorradrahmen befestigen. Bei modernen Präzisions-Anschlüssen nach Vierpunktprinzip kommen zwei zusätzliche Streben hinzu. Material: Stahlrohr, selten Aluminium-Profil. Verbindung: Kugelkopf oder Gabel mit Bolzen (erlaubt leichte Winkelanpassung bei Ein- und Ausfederung). (→ Anschlusspunkte, → Vierpunktanschluss)
--- Deichselwinkel ---
Der Winkel, unter dem die Deichsel vom Beiwagenrahmen zur Zugmaschine führt — sowohl horizontal (Spur, Vorspur) als auch vertikal — bestimmt maßgeblich das Fahrverhalten. Ein zu steiler Vertikalwinkel überträgt vertikale Federbewegungen als Lenkimpulse. Die Hersteller legen die Deichsel daher möglichst waagerecht oder leicht nach oben geneigt an.
--- Verlängerte Deichsel ---
Für Sonderaufbauten — etwa eine zusätzliche Kühlbox oder einen Gepäckträger zwischen Motorrad und Seitenwagen — wird die vordere Deichsel verlängert. Beispiel: Honda GL 1500 mit Jeaniel Cap'tain 2, verlängerte Deichsel für Kühlbox als Zwischenaufsatz. [MG 124, S.41]
--- Schiebedeichsel ---
Als Schiebedeichsel bezeichnet man eine konstruktiv angepasste Einparkhilfe: Kurze Rohrhülsen vorne an der Deichsel greifen beidseitig die Steckachse des Seitenwagens und erlauben so, das Gespann manuell zu verschieben, ohne die Kupplung betätigen zu müssen — nützlich in engen Garagen, wenn die Kupplung durch Verkleidung nicht erreichbar ist. Eigenbaulösung aus Rasenmäher-Schrott. [MG 174, S.19]
Quellen: [MG 103, S.12] · [MG 124, S.41] · [MG 174, S.19]
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