Der AX2 war das erste in Serie gebaute Militärgespann mit angetriebenem Beiwagenrad. Der französische Hersteller Gnôme et Rhône entwickelte ihn aus dem 1935 vorgestellten Modell XA für die französische Armee; bis zum Waffenstillstand 1940 wurden mehrere tausend Exemplare ausgeliefert, von denen viele nach der Besetzung Frankreichs von der Wehrmacht requiriert und im Osteuropa-Einsatz weiterverwendet wurden.
Technische Daten
Motor: 800 cm³ Boxer-Zweizylinder, seitengesteuert (side-valve)
Leistung: ca. 18 PS bei 4.600 U/min
Getriebe: 4-Gang (vereinzelt 5-Gang), teils mit Rückwärtsgang, Handschaltung
Vorgänger: XA (750 cm³ OHV, 1935), Zwischenstufe XA2 mit zivilem, ungetriebenem Bernadette-Beiwagen
Serieneinführung Beiwagenantrieb: 1937
Produktionszeitraum: 1938–1943
Bekannteste Beiwagenausführung: 'Estafette'-Beiwagen (ab 1940)
Einsatzbereich
Ausschließlich militärisch: bis Mai 1940 mehrere tausend Gespanne an die französische Armee ausgeliefert. Nach der Kapitulation Frankreichs requirierte die Wehrmacht erbeutete Exemplare und setzte sie auch in Osteuropa ein — begünstigt dadurch, dass deutschsprachige Instandsetzungsanleitungen existierten.
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Besonderheiten
Der Fahrer konnte den Beiwagenradantrieb im Sitzen zu- und abschalten. Die Fahrzeuge waren für bis zu drei Personen Besatzung sowie Gepäck, Ausrüstung und Munition (inkl. Minen) ausgelegt. Heute fertigen Sammler und Bastler — dokumentiert ist u. a. Zbigniew Wolodko in Polen — Nachbauteile für die Restaurierung erhaltener Exemplare.
Vor- und Nachteile
Vorteile: Robuster, hubraumstarker Antrieb; durch den Beiwagenantrieb geländegängiger als ungetriebene Gespanne der Zeit; mechanisch einfach und wartungsfreundlich (seitengesteuerter Motor).
Nachteile: Hohes Gewicht und entsprechend hoher Kraftstoffverbrauch; wie viele Vorkriegskonstruktionen wartungsintensiv; Ersatzteillage heute nur durch Nachfertigung von Enthusiasten gesichert.
Typische Kombinationen
Werksseitig als feste Einheit ausgeliefert — Zugmaschine und Beiwagen bildeten beim AX2 keine frei kombinierbaren Komponenten wie im späteren zivilen Gespannbau.
Paris - Dakar (1939)
Um die Tauglichkeit der Gnome & Rhone AX 2 unter realistischen Einsatzbedingungen unter Beweis zu stellen, organisierte der Capitaine der französischen Armee Couet eine Expedition von Paris nach Dakar, Begleitet wurde er von Lieutenant Thiriat und Lieutenant Martinau sowie dem Marechall de logis Gaucher. In Marokko wurde das Quartett von Capitaine Almeras und Marechall de logis Vely ergänzt. Die Gespanne wurde in serienmäßigem Zustand belassen, nur ein spezieller Sandluftfilter wurde montiert. Um die langen Strecken ohne Benzinversorgung überwinden zu können, wurden bei der Firma Bernadet spezielle Reservekanister bestellt, die im Inneren des Bootes verstaut werden konnten. 50 war man für mehr als 600 Kilometer von der Benzinversorgung unabhängig, 450 Kilogramm Ausrüstung, Benzin und Wasser wurden in jedes Gespann verstaut, Die Fahrt führte von Paris bis Port-Vendres. Dort setzte man nach Oran über, Durch Algerien führte die Strecke nach Marokko bis nach Tiznit im Süden von Agadir.
Ein schwerer Unfall ereignete sich weiter südlich. Das Gespann von Capitaine Couet überschlug sich plötzlich. Couet wurde unter dem Gespann begraben. Die schweren Verletzungen machten es unmöglich, an eine Weitereise zu denken.
Mit einem Sanitätsflugzeug wurde Capitaine Couet ausgeflogen. "Vive Paris-Dakar" stand auf einer Fahne, die das Team in der Nähe von Foum el Hassen begrüßte. Es waren die vierten ausländischen Besucher, die sich jemals soweit in den Süden gewagt hatten, 1200 Kilometer liegen zwischen der letzten marokkanischen Oase Tindouf und der ersten mauretanischen Oase Atar. In vier Tagen wurde die Strecke zurückgelegt, "ohne einen einzigen Baum zu Gesicht bekommen zu haben". In Atar wurde ein Ruhetag eingelegt. Die Gespannbesatzung, war von den schwierigen Sandpisten müde und erschöpft. Auf einer Lkw-Piste legten sie die letzten 1100 Kilometer bis nach Dakar zurück. Nach 5.300 Kilometern sah das Team das Schild von Dakar, Ein abenteuerliche Reise ging zu Ende.
Am 2. März 1939 fand in Paris unter dem Beisein von Angehörigen des Kriegsministeriums und des Generalstabes eine Ehrung der Teilnehmer der Expedition statt. Capitaine Couet war von seinen Verletzungen mittlerweile wieder genesen. Auszüge der Erlebnisse erschienen unter dem Titel "Piste Imperial N. 1" in der französischen Motorradzeitschrift Motorevue in den Ausgaben Nr. 844, 845 und 846 im Frühjahr 1939.
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